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Erwecken des Willenskörpers

von
Zentatsu Richard Baker Roshi

Suzuki-roshi spürte, dass der Buddhismus irgendeine neue Chance brauchte, einen Ort, wo in den Köpfen der Leute keine festen Vorstellungen über den Buddhismus herrschten. Also fragte er seinen Lehrer, nachdem er die ersten Abschnitte seiner Ausbildung abgeschlossen hatte, ob er nach Amerika gehen könne. Sein Lehrer sagte nein, und so fragte er, ob er nach Hokkaido gehen könne. Hokkaido ist so etwas wie die japanische "Frontier"; wirklich besiedelt wurde es erst im vergangenen Jahrhundert, etwa zur selben Zeit wie ein Großteil der Vereinigten Staaten. Sein Lehrer wurde sehr ärgerlich, also musste Suzuki Roshi bleiben. Aber seine Idee, nach Amerika zu kommen, hat er nie aufgegeben.




Als er schließlich hierher kam, hatte er jedoch das Gefühl, er hätte nicht umfassend genug für uns studiert. Gleichzeitig hatte er das Gefühl, er sei zu spät nach Amerika gekommen und zu alt. Aber er war überzeugt, dass seine Nachfolger es schaffen könnten, dass sie den Buddhismus umfassender und freier studieren könnten. Also lehrte er uns genau dies, den Buddhismus umfassend und frei zu studieren- und er lehrte uns wie.

Eine im Körper verwurzelte Praxis ist das Wesentliche an Suzuki Roshis Verständnis

Zuallererst betonte er unsere Sitz-Haltung, unsere yogische Haltung. Das ist natürlich sinnvoll, weil Zen diejenige Schule des Buddhismus ist, die Yoga betont, den Körper selbst und die yogischen Haltungen von Geist und Körper. Aber auch, weil eine im Körper verwurzelte Praxis das Wesentliche an Suzuki Roshis Verständnis und Entfaltung von Praxis ist.
Wir verwenden nicht viele Hilfsmittel, nicht viele Rituale. Unser eigener Körper ist unser Vajra ("Diamant" im Sinne von Leerheit, Essenz alles Seienden (A.d. Ü.)). Deswegen fängt Zen mit dem Körper an. Wir fangen an mit dem, was wir haben. Von Kindheit an erleben wir eine Art geteiltes Wesen, eine Art leidendes geteiltes Wesen. Wir haben zwei Eltern und verschiedene Weisen, die Dinge anzuschauen. Deswegen müssen wir unsere Praxis mit etwas beginnen, auf das sich unsere verschiedenen Teile einigen können - herausfinden, wie unser Geist und Körper zu einer gewissen Übereinstimmung kommen können. Dafür haben wir Zazen. Es ist das Gefühl von "Lasst uns uns hinsetzen und schauen, was passiert."
Auf diese Weise bringt der Zen-Buddhismus verschiedene vorläufige Arten von Übungen hervor, die den Körper betonen oder den Geist oder beide oder alle drei zusammen mit den Phänomenen.Wir könnten dies Nur-Körper-Lehren oder -Übungen nennen, oder Nur Geist oder Alle-Dinge-auf-einmal. Es ist die Art und Weise, wie Zen die Lehren der Yogacara-, Madhyamika- und Hwa-Yen-Schulen zusammengefügt hat.

Jetzt sitzen wir ein Sesshin hier in Green Gulch. Und wenn ihr daran geht, mit eurem Körper zu praktizieren, dann müsst ihr ihm natürlich vertrauen. Ihr müsst eure Vorstellungen aufgeben, in denen er von euch getrennt ist. Linda Ruth wies mich einmal auf die Absurdität des Gefühls hin, unser Fuß sei "weit da unten". Wir haben viele solcher fehlgeleiteten Bilder von unserem Körper, gedankliche Hüllen, die wir anfangen müssen zu bemerken und von denen wir uns befreien müssen.

Es gibt keine getrennte Wirklichkeit hinter dieser unmittelbaren Tatsächlichkeit

Das Fahrzeug des Tathagata kann aufverschiedene Weisen beschrieben werden. Was ich jetzt gerade betone, ist, dass es keine getrennte Wirklichkeit hinter dieser unmittelbaren Tatsächlichkeit gibt. Allein dies hat schon mehrere Aspekte. Diese unmittelbare Tatsächlichkeit ist nicht "real", sondern eine Aktualität - die nicht wiederholbar ist. Es gibt keine Möglichkeit, sie zu simulieren oder beständig zu machen. Sie ist nur sie selbst. Ein zweiter Aspekt ist, dass alles überall gegenwärtig ist. Ein dritter Aspekt ist, dass alles absolut unabhängig ist, ein- und ausgefaltet in seiner eigenen Zeit. Ein vierter Aspekt ist, dass alles zeitlos und ungreifbar ist. Ein fünfter, dass das Tathagata-Fahrzeug wahrheitstragend ist und wir deshalb zu einer unmittelbaren, fortlaufenden Wahrnehmung der Wahrheit in uns selbst fähig sind. Wir können dies den Willen des Buddha nennen oder Buddhas Willens-Körper, weil er uns trägt und mit Bestimmtheit die Fülle jeder Situation kennt.
Die meisten von uns nehmen ausdrücklich oder zumindest implizit an und handeln gemäß der Ansicht, dass Realität sich wiederholt- und daher im Endeffekt beständig ist. Das ist ganz natürlich; wir möchten, dass der Baum jeden Morgen auf dem Rasen unseres Vorgartens steht. Obwohl wir wissen, dass er gefällt werden oder einem Sturm zum Opfer fallen könnte, erwarten wir dennoch, dass er da ist, und der Rest der Welt, auf eine gewohnheitsmäßige Weise, die das Gefühl eines beständigen Selbst verstärkt. Unsere Sprache gründet auf ähnlichen Annahmen: "es" regnet. Wir haben eine unhinterfragte und sich fortwährend bekräftigende Annahme von Wiederholbarkeit, die unsere Sinne schult, Wiederholbarkeit zu bemerken; das bedeutet, wir trauen der Unabhängigkeit unserer Sinne nicht und der sich nicht wiederholenden Welt, die sie offenbaren können. 

Die Bemühung, die Wirklichkeit wiederholbar zu machen wird im Buddhismus Leiden genannt

Eines der leichtesten Dinge in der Welt ist, für eine kurze Zeit unsere Aufmerksamkeit zu unserem Atem zu bringen, aber, wie diejenigen unter uns, die meditieren und Achtsamkeit üben, wissen, ist es sehr schwierig, mit unserer Aufmerksamkeit und unserem Geist dauerhaft bei unserem Atem zu bleiben. Der Hauptgrund dafür ist unser implizites Bedürfnis nach einer Kontinuität des Selbst die wir durch Denken finden. Dies ist eine subtile Form von Beständigkeit. Es ist eben diese Bemühung, die Wirklichkeit wiederholbar zu machen, die im Buddhismus Leiden genannt wird.

Ein existentielles Bedürfnis nach Beständigkeit ist die Grundlage für das irreführende Gefühl eines "Außen", auf das wir uns verlassen können: eine Außenwelt und dementsprechend auch ein "Innen", das getrennt und verschieden ist von der Außenwelt. Wenn bei euch eine Idee von einem "Außen" in Kraft ist, dann werden eure Sinne immer verschoben sein. Deshalb ist eine der Lehren, eines der Hilfsmittel für das Eindringen, für das Eintreten in den Buddha-Weg und den Buddha-Körper, alles als euren eigenen Geist zu sehen. Das ist eine Tatsache. Es ist eine Übung, euch andauernd, euch gleichzeitig daran zu erinnern. Alles, was zu euch kommt, als euch selbst zu verstehen, als euren Geist und euer Karma, nicht als ein anderes oder gar feindliches Ding. Dies tatsächlich zu wissen, erlaubt uns, einen ausgeglichenen Geist gegenüber jedermann zu entwickeln. Wir wissen, wie wir uns fühlen, und wir fühlen uns verkörpert und befreit innerhalb jeder Situation.

Dies zu praktizieren, ist eine der Grundlagen für einige der Dinge, zu denen ich in diesem Sesshin kommen möchte. Während dieser Tage betont also bitte einen ausgeglichenen Geist, eine ausgeglichene Bemühung, ein ausgeglichenes, ständiges Gewahrsein während des Sitzens und des Kinhin und der Mahlzeiten und der Arbeit und des Schlafens. Und wenn ihr in eurer Zazen-Praxis alle Vorstellungen oder Bilder von eurem Körper aufgeben könnt, oder von Außen und Innen, könnt ihr stark genug werden, alles zu akzeptieren. Mehr und mehr akzeptieren wir einfach, was eben gerade zu uns kommt, akzeptieren etwas Gehörtes vollständig, akzeptieren etwas Gesehenes, ohne etwas davon herauszustreichen oder es zu steuern. Versucht, in dem ihr ihn bei jeder Gelegenheit, bei jeder Wahrnehmung wiederholt, diesen Satz zu praktizieren: "Immer unvertraut!"

Unser Gefühl ist: Nur ein einziges Mal werden wir das hören, nur ein einziges Mal werden wir das sehen

Unser Hören kann uns zu so vielen Dingen hintragen, uns für sie öffnen, wenn wir unserem Hören einfach vertrauen. Was wir eben jetzt hören, ist genug. Wir müssen es nicht verdurchschnittlichen und zusehen, ob es sich noch einmal ereignen wird. Im Buddhismus ist unser Gefühl: Nur ein einziges Mal werden wir das hören. Nur ein einziges Mal werden wir das sehen. Bis wir losgegangen sind, um unsere Kamera zu holen, ist es anders. Bis wir versuchen, unser Leben darauf zu gründen, ist es anders. Unser Leben gründet bereits darauf.

Durch Zazen versuchen wir, unsere Stärke und Fähigkeit zu entwickeln, eins zu sein mit unserem Tun. Wir bemerken die Endlichkeit jeden Dinges, dass es nur ein einziges Mal geschieht. Dass es nicht wiederholbar oder greifbar ist oder wiederzugewinnen oder wieder zu tun. Wenn ihr nicht da seid, nicht gegenwärtig, ist es zu spät. Diese Erkenntnis und sie gleichzeitig nicht allzu ernst zunehmen, gibt unserem Leben eine gewisse Ernsthaftigkeit. Ihr wisst, bis ihr wünscht und denkt, ist es schon zu spät. Es ist irreführend und allzu ernst, wenn Ihr denkt, es gäbe eine Außenwelt - und dass alles darauf wartet, euch zu kriegen, oder darauf wartet, euch zu retten. Sesshin bedeutet auch, sich mit dieser Art von Vorstellung niederzulassen, sie auszuprobieren, sie zu halten und sie zu leben. Buddhismus zu praktizieren, verlangt ein gewaltiges Maß an Vertrauen- Vertrauen in euch selbst und euren Lehrer und die Buddha-Natur, ein Gefühl, dass ihr es tun könnt.  

In einem Zen-Sesshin und im Klosterleben praktizieren wir eine Menge Müssen. Mit diesem Müssen meine ich die Art und Weise, wie eine Mutter oder ein Vater die Windeln ihres Babys wechseln, weil sie müssen, nicht weil sie es in einem bestimmten Moment unbedingt wollen. Sie tun es einfach! Sie sagen nicht: "Junge, Junge, wie ich darauf brenne, diese Windelnzu wechseln." Vielleicht genießen sie es tatsächlich - und vielleicht auch das Baby, aber ihre Handlung gründet darauf, dass sie es wollen oder nichtwollen. Jemand muss die Windeln des Babys wechseln, also wechselt ihr die Windeln eures Babys, das ist alles.

Die Zen-Praxis gründet zum Teil auf einem Müssen, das nicht im Reich von Vorlieben und Abneigungen liegt

Tatsächlich brauchen wir solche Dinge.Wir brauchen solches Müssen. Wenn wir kein weises, realistisches und integrierendes Müssen haben, dann stellen wir es neurotisch her und lassen uns von ihm täuschen. Die Zen-Praxis gründet zum Teil auf einem Müssen, das nicht im Reich von Vorlieben und Abneigungen liegt. Wir kommen zur Andacht und rezitieren, nicht weil wir es mögen oder nicht mögen, sondern weil es ein Teil der Weisheit dieser Praxis ist. Wenn wir uns jedoch mit Vorstellungen herumschlagen wie "Wann werde ich endlich dieses Rezitieren mögen?", verfehlen wir den Punkt. Wenn wir das Rezitieren allzu lieb gewinnen, sollten wir etwas anderes hinzufügen, das eher ein Ärgernis ist. Wir sollten in der Lage sein, grundlegende Dinge ohne viele Probleme zu tun, Dinge, die keinem wehtun oder der Welt keinen Schaden zufügen.

Wie Suzuki Roshi sagte, durch solche Beschränkungen oder solches Müssen können wir unsere Begierden erforschen und unsere Neigungen entdecken. Wir können unsere Begierden und Stärken durch solche Beschränkungen tief ausloten und die Tiefen des Geistes entdecken, wenn er nicht in der Pendelbewegung von Zu- und Abneigung gefangen ist. Das ist der Geist der Gelassenheit.

Suzuki Roshis Lieblingsgeschichte war die über Mazu und den Ziegel. Mazu saß Zazen, er studierte Zazen, um die Buddhaschaft zu erlangen, da hob Nanyue einen Ziegel auf und begann ihn zureiben. Mazu fragte: "Was tust du?" Nanyue sagte: "Ich verwandele diesen Ziegel in einen Edelstein." Mazu fragte: "Wie kannst du einen Ziegel zu einem Edelstein machen?" Nanyue sagte: "Wie kannst du dich selbst zu einem Buddha machen?" Dann sagte er: "Wenn du einen Karren in Bewegung setzen möchtest, schlägst du das Pferd oder den Karren?"

Viele Redewendungen spiegeln diese Artvon Gefühl wider. Wenn es Nacht ist, ist die Dämmerung hier. Bevor der Winter vorüber ist, ist der Frühling hier. Selbst wenn ihr es nicht vollständig versteht oder vollständig akzeptiert, wenn ihr praktiziert, solltet ihr diese Art von Vertrauen haben; ihr solltet versuchen, es zu akzeptieren. Könnt ihr es akzeptieren? Könnt ihr einfach nur vollständig Zazen sitzen? Könnt ihr einfach nur dieses Sesshin vollständig sitzen, als ob nichts anderes existierte, als ob ihr Freitagabend sterben würdet? Suzuki Roshi sagte, vielleicht würden wir in Tassajara oder Page Street verhungern. Aber wenn wir einfach nur Zazen praktizierten und für alles vollständig Sorge trügen, glaubte er, würden wir wohl nicht verhungern.

Der Grundlegenste Vorschlag des Buddhismus ist der, das Gute zu üben und das Böse zu meiden

Es gibt zwei Erkenntnissee, zu denen wir gelangen werden, wenn wir in der Lage sind, den Dingen so wie sie sind ins Augezu blicken, ohne zu wünschen, sie wären irgendwie anders. Die eine ist der Tod. Mit Tod meine ich nicht einfach, dass jemand im Sterben begriffen ist, obwohl wir durch den Tod diese tiefere Endlichkeit vielleicht begreifen können, so wie Dogen seine Mutter sterben und eine doppelte Rauchsäule vom Räucherstäbchen aufsteigen sah. Die Endlichkeit, über die ich spreche, können wir erkennen, wenn jemand verrückt wird, wenn wir jemand in seinen Gefühlen nicht erreichen können oder wenn wir uns selbst nicht erreichen können, wenn es fast nichts außer Leiden in dieser Welt gibt, wenn wir nichts tun können angesichts jeden Augenblicks. Jedes Ding geschieht einfach, und hoffentlich finden wir unsere Eigenart und Übereinstimmung mit ihm.

Eine andere Erkenntnis ist, dass wir bestechlich sind. Jeder von uns ist bestechlich. Wenn wir unter Druck gesetzt werden, hat fast jeder von uns einen Preis. Es tut mir leid, das zu sagen, aber es ist wahr. Regierungen machen Gebrauch davon, um Leute dazu zu zwingen, bestimmte Dinge zu tun. Viele Leute machen Gebrauch davon, um aus der Bestechlichkeit der Anderen möglichst viel für ihren eigenen Profit und ihre eigene Macht herauszuholen. Bodhisattvas erkennen dieses Leiden und diese Bestechlichkeit in sich selbst und bringen daraus die Bedingungen für das Gute hervor - lasst uns sagen: das Gute in sich selbst und in der Welt. Dementsprechend ist der grundlegendste Vorschlag den der Buddhismus jedem macht, das Gute zu üben und das Böse zu meiden. Das Verständnis von Gut und Böse im Buddhismus ist den Wurzelbedeutungen der Worte"gut" (good) und "böse" (evil) im Englischen sehr nahe. Gut (good) und Gott (God) bedeuten, etwas zu vereinigen, in einem einzigen Körper zu versammeln, einen größeren Körper zu erkennen. Und Böse (evil) heißt, etwas übermäßig auszudehnen, wie der Dachvorsprung (eaves) eines Hauses, daneben zu liegen, etwas mit Wirklichkeit zu versehen oder über etwas anderes zu stellen.

Bodhisattvas versehen nichts mit Beständigkeit

Bodhisattvas versehen nichts mit Beständigkeit. Ebenso gehen wir in unserer Praxis nicht davon aus, dass Dinge dauerhaft besessen werden können. Aber wir versuchen sehr wohl, Bedingungen dafür zu schaffen, dass Menschen gut leben können. Zuerst jedoch müssen wir unsere eigene Ruhe, Klarheit und Freiheit von Verwirrung finden. Wie Suzuki Roshi zusagen pflegte: "Versuche nicht die Probleme anderer zu lösen, bevor du deine eigenen nicht gelöst hast. Sonst verursachst du nur noch mehr Schwierigkeiten." 

Praktizierender: Mein Geist ist in einer Zwickmühle zwischen der Absichtslosigkeit des Zazen und den Absichten, die ich habe.

Roshi: Diese Dynamik erscheint in jedem Aspekt der Praxis. Natürlich haben wir Absichten und Vorhaben, aber auf einer grundsätzlichen Ebene können wir wissen und fühlen, dass es nichts zu tun und nirgends hinzugehen gibt. Auf dieser Ebene können wir uns frei von jeder Absicht fühlen. Aber die Lösung solcher Gegensätze wie im Herz-Sutra ("kein Auge, kein Ohr") oder im Diamant-Sutra ("keine Wahrnehmung von Wesen als zu Rettende") hängt ab von einer Transformation der Art wie wir sehen. Um zum Beispiel "keine Wahrnehmung von Übelwollen" zu praktizieren, müssen wir die Art und Weise ändern, wie wir über einander denken. "Keine Wahrnehmung von Übelwollen" heißt nicht, dass wir Übelwollen unterdrücken. Es heißt, dass wir gelernt haben, jedes Wesen als ein Wesen zu sehen, demgegenüber wir kein Übelwollen empfinden können. Es ist in gewisser Weise vergleichbar damit, dass es schwierig ist, Übelwollen gegenüber einem Kleinkind zu empfinden oder gegenüber einer Person, die uns entdeckt, nachdem wir uns schon seit einigen Stunden im Wald verirrt haben. 

Ihr werdet durch Erfahrung herausfinden, dass, obwohl euch eine Idee, etwas zu erreichen, zum Sitzen gebracht hat, euer Sitzen ziemlich dumpf und leblos ist, wenn ihr mit dieser Idee sitzt. Einfach nur sitzen. Wie Suzuki Roshi immer sagte, wir müssen den Buddhismus einfach nur um des Buddhismus willen praktizieren.

Man kann den Buddhismus für einen bestimmten Zweck gebrauchen, Erfolg oder Ruhm oder etwas in der Art. Aber Suzuki Roshi legte für uns die Betonung darauf, einfach nur miteinander um des Buddhismuswillen zu praktizieren. Er sagte, dass, auch wenn in fünf oder zehn Jahren Zen Center und der Buddhismus in Amerika viele Freunde haben würden, wir dafür nicht praktizieren, nicht einmal für die Verbesserung der Gesellschaft. Einfach nur um des Buddhismus willen zu praktizieren, einfach nur zu sitzen um des Sitzens willen, das ist unsere Praxis - das Verständnis unserer Praxis.

Wir haben andere Gründe für unser Praktizieren, aber "Praxis" bedeutet, dass wir diese erfolgsorientierten Gründe nicht durchmustern. Wenn wir bemerken, wie wir über sie nachdenken, lassen wir dieses Nachdenken über sie los. Versteht ihr? Das ist wahrhaftige Praxis. Es mag künstlich erscheinen, gewissen Gedanken und Ideen Energie abzuziehen. Das heißt jedoch nur, dass wir noch weiter üben und herausfinden sollten, wie künstlich alles ohnehin ist. Wie alles auf künstlichen Ansichten und Meinungen gründet. Dann findet heraus wie wir unseren Ansichten mit Gegen-Ansichten entgegenwirken können, bis wir alle Ansichten fallen lassen können.

Also bitte werdet in diesem Sesshin -und das gilt auch für all diejenigen, die nicht im Sesshin sind- werdet freundlich zu eurem Körper und eurer Lebenssituation als etwas, das ihr selbst seid. Zazen ist manchmal nur eine Art schmerzhaftes, trockenes Gefühl, manchmal nur eine Art schmerzhaftes, ekstatisches Gefühl. Einfach nur dies. Versucht nicht, euer Zazen zu überprüfen.

Praxis ist, den Beobachtungen des Körpers zu vertrauen

Wenn wir aufhören, unser Leben jeden Moment zu verdurchschnittlichen, werden wir viele Dinge herausfinden. Wir werden viele geistige und körperliche Phänomene bemerken, viele subtile Dinge. Wie ich gestern gesagt habe, wie wunderbar sich unsere Haut nach dem Zazen während eines Sesshins anfühlt. Wie unser Hautorgan uns lehrt und uns unseren Geisteszustand zeigt. Wie kühl sich die Oberfläche unserer Augen anfühlt. Wie unser Magen sich fühlt. Wie erfrischt wir uns fühlen, wenn Ansichten von unserem Atmen und unserem Geist und unseren Schultern und Hüften abfallen. Praxis ist, zu beginnen, diesen Beobachtungen zu vertrauen.

Die Handlungen des Buddha sind Buddha. Eure Handlungen seid ihr. Diese winzigen Handlungen, an denen ihr teilnehmt. Durch unser Gelübde oder unsere Teilnahme ist die Farbe sehr voll, und wir nehmen Dinge in all ihren Dimensionen wahr. Wenn unser Gelübde schwach ist, ist unser Willens-Körper schwach und wir sehen die Dinge flach und dünn undfarblos.

Wenn unser "Gelöbnis-Körper", unser "Willens-Körper" stark ist, bemerken wir subtile Ausdrucksformen unseres Weges, unseres Daseins, unseres Weges jenseits des Selbst, unserer Buddha-Natur. Dann geben wir es auf, sie zu bemerken. Ein Teil muss nicht beobachten. Lasst einfach los. Gebt einfach alles weg. Bis Zazen-Sitzen nichts als Raum ist. Euer Leben zu leben ist nichts als Raum. Dieses Sesshin zu sitzen ist nichts als Raum, in dessen Mitte wir etwas hervorbringen. In diesem Sesshin können wir vielleicht, indem wir auf diese Art und Weise essen, aufstehen und Dinge tun, erkennen, was wir wirklich sind - mit und ohne einem "Wer", das erkennt wie wir in Wirklichkeit existieren, allein und alle zusammen. Bitte lasst es uns tun. Lasst uns herausfinden, wie Suzuki Roshi uns praktizieren sehen wollte. Einen lebendigen, neuen Weg, ausgehend von unserer eigenen allernächsten und unmittelbaren Erfahrung, indem wir alles frei studieren, indem wir frei unseren Weg verwirklichen. Vielen Dank.

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