Japan! Ein persönlicher Reisebericht, von Beate Aldag

Meine Reise begann mit der Frage, was die kommenden drei Wochen wohl für meine Dharma-Praxis bedeuten könnten. Würde diese Reise einen Unterschied in der Art machen, wie ich praktiziere?

Jetzt, nach drei Wochen Japan und einem Monat Verdauungszeit, kann ich sagen, JA! Die Reise hat eine Dimension in mein Praxisverständnis gebracht, die ich mir zuvor nicht hätte vorstellen können. Wir hatten in den drei Wochen ein hochinteressantes Programm und haben viele Orte gesehen, von denen ich in Koans, Teishos und Vorträgen schon gehört hatte. Jeden Morgen haben wir uns zum gemeinsamen Zazen zusammengefunden bevor wir dann mit Bussen, Bahnen oder zu Fuß zu den jeweiligen Tageszielen und mehrtägigen Ausflügen gestartet sind.

Wir haben viele Tempel, Gärten und Klöster besucht, die mit unserer Lehrlinie in Verbindung stehen und die Zen-Praxis maßgeblich geprägt haben. Ganz besonders war der 2-tägige Besuch im Eiheiji-Kloster, wo wir eine Nacht verbrachten. Nach dem Zazen durften wir an einem langen Service mit den Mönchen teilnehmen und durften gemeinsam mit ihnen das Herz Sutra rezitieren. Bei der anschließenden Einladung zum Tee bekamen wir einen Eindruck von der wunderbare Gastfreundschaft der Japaner. Diese wurde uns auch während des Besuches bei den Suzukis im Rinso-in Tempel zuteil.

In Muso Sosekis Moosgarten waren wir von der stillen Atmosphäre und Schönheit ergriffen, die uns ganz in ihren Bann zog. Es gab immer ausreichend Zeit die Tempel und Gärten im eigenen Tempo zu entdecken und wirken zu lassen. Nicht wenige Male haben wir uns alle, wie zufällig, zusammengefunden, um den Anblick eines schönen Steingartens oder die Stille eines Raumes mit Ausblick in die Ferne als Gruppe zu erleben. Während dieser Reise gab es viele Gelegenheiten zu praktizieren. Sei es um ein Verständnis für die in vielen Details innewohnende Schönheit zu bekommen oder aber auch um mit einer Reisegruppe so geschmeidig wie möglich eine Zugverbindung zu erreichen.

Die Gruppe hat sich in den Wochen auch gefunden und entwickelt durch die regelmäßigen Treffen, die wir im größten der angemieteten Appartements abgehalten haben. Hier gab es Raum für Austausch, Anregung und Absprachen. Unsere Unterbringungen in Kyoto waren fünf komfortabel ausgestattete Studios für 2 – 8 Personen, in denen wir Mahlzeiten zubereiten, unsere Wäsche waschen und uns zurückziehen konnten.

Es gab in der näheren Umgebung jede Menge zu entdecken und ausreichend Möglichkeiten, Lebensmittel einzukaufen oder in einem der kleinen Restaurants zu Abend zu essen. Wir konnten an den freien Nachmitttagen ins Zentrum laufen oder mit der U-Bahn nach wenigen Stationen dort aussteigen.

Ich sehe nach der Reise nun viele Gesten, die wir im Johanneshof ausführen mit anderen Augen, erkenne den tieferen Sinn der Gestaltung unseres Praxisplatzes klarer und vernehme eindeutig das Gefühl von Verbundenheit mit der japanischen Kultur. Eine Kultur,  die mich bestärkt nicht nur mit Worten und Sprache verstehen zu wollen sondern mit dem Körper. Meine Zenpraxis und alles was ich in der Lehrlinie lernen und verstehen durfte hat auf dieser Reise nicht nur im Eiheiji Kloster oder im Entsuji Garten eine tiefe Resonanz erfahren.

Herzlichen Dank an Gisela Reith-van-Geest für alle Fotos!

  

  

 

 

 



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