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Bäderprojekt im ZBZS – ein subjektiver Erlebnisbericht der Projektleiterin

von
Silvia Glaser

Im letzten Newsletter habe ich über die finanzielle Situation im Zen Buddhistischen Zentrum Schwarzwald geschrieben. Unter anderem habe ich erwähnt, dass – und dabei bleibt es auch in Zukunft – alle zweckgebundenen Spenden ausschließlich den Projekten zugeführt werden, für die gespendet wurde.

Den erfolgreichen Teilabschluss des aktuellen Spendenprojektes darf ich dir heute vorstellen.

Die Projektleitung

Andreas Rohrmann wurde euch im Spendenbrief als Projektleiter vorgestellt. Berufsbedingt hat er das Zen Buddhistische Zentrum Schwarzwald Anfang des Jahres überraschend verlassen und ich, Yõsei Silvia Glaser, habe noch im Januar die Projektleitung für die Sanierung und den Neubau von Bädern im Hotzenhaus und Johanneshof spontan und gerne übernommen.

Der Spendenaufruf

Am 6. Dezember vergangenen Jahres haben wir in einem umfangreichen Spendenbrief die Notwendigkeit der Sanierung und Erweiterung von sanitären Anlagen beschrieben. Den Brief und die Informationen findet ihr auch hier auf unserer Webseite. Wir haben euch darin eine Analyse der Ist-Situation, Prioritäten und einen ersten, sehr groben Kostenplan vorgestellt.

Etwa 90 Personen haben bis Ende Januar etwas mehr als 78.000 € gespendet! Damit war klar, dass wir die erste Stufe der Umsetzung tatsächlich in Angriff nehmen konnten. Mein Startschuss in diesem Projekt war damit eine detaillierte Projektplanung. Sowohl hinsichtlich der Kosten als der Ablaufplanung.

Das Ziel war, die nicht unwesentlichen Baumaßnahmen geschmeidig in unseren Seminarplan einzubinden. Die Seminargäste sollten möglichst wenig beeinträchtig werden und gleichzeitig galt es, die 6 beteiligten externen Gewerke so zu koordinieren, dass ein minimaler Zeitaufwand zu erwarten ist.

Dass uns durch „Corona“ eine Schließung des Hauses bevorstand, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar.

Der Bäderneubau und die neuen Zimmer im Hotzenhaus 24+25

Nahezu zeitglich mit dem Abschluss der Planung kamen die ersten Handwerker ins Hotzenhaus. Aus einem bis vor Baubeginn sehr großen Zimmer auf der dritten Etage des Hotzenhauses entstanden zwei immer noch sehr geräumige Zimmer mit einem angrenzenden und über einen zwischenliegenden Flur erreichbaren neuen Duschbad.

Noch während des Baus habe ich in enger Abstimmung mit Baker Roshi Türen, Armaturen, Fliesen, Farben ...  ausgesucht. Dank „Facetime“ waren die Abstimmungen mit Roshi kurzweilig und innerhalb kürzester Zeit möglich. Noch nie zuvor habe ich in so kurzer Zeit so viele Varianten von Türen, Fliesen, Rohren, Armaturen, Deckenstärken – und Überraschungen erleben dürfenJ

Die sehr unterstützende Kooperation mit den Handwerkern hat aus dem Kraftakt ein ungeahnt vielschichtiges Erfahrungserlebnis werden lassen; mit einem, wie wir hier finden, sensationellen Ergebnis.

Mit der folgenden Bilderreihe bekommst du einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des neuen Bades und der angrenzenden Zimmer im Hotzenhaus.

Für die neu geschaffenen Zimmer gibt es die Idee, sie als kleine Appartements mit Kitchenette auszubauen. Die entsprechend notwendigen Anschlüsse sind gelegt.

Unser Architekt Koshin Ionut Nedelcu, der auch die Bäder konzipiert hat (Danke erneut an dieser Stelle, lieber Koshin Ionut!) würde uns im Innenausbau weiter unterstützen. Interessierte Spender sind sehr herzlich willkommen!

Aber bereits jetzt sind die Zimmer so eingerichtet, dass es sich wunderbar auch über einen längeren Zeitraum darin leben lässt.

Sanierung und Neubau der Bäder im Vorderhaus des Johanneshof

Corona versus Baubeginn

Kurz von dem Abschluss der Bauarbeiten im Hotzenhaus, vor allem aber unmittelbar vor den geplanten Abbrucharbeiten der beiden alten Bäder im Vorderhaus des Johanneshof kam der 15. März. Der Tag, an dem wir entscheiden mussten, den Ort auf zunächst ungewisse Zeit zu schließen.

In einem langen Zoom-Austausch des Dharma-Sangha-Praxisrates an besagtem Sonntag wurde unter anderem beschlossen, die Bauarbeiten, die am darauffolgenden Montag im Johanneshof starten sollten, abzubrechen.

Die Erschütterung war mir wohl in jeder Faser des Körpers anzusehen, als ich von dieser Entscheidung am späten Abend hörte. So viel Vorbereitung, so viel akribische Planung, soviel (überwiegend positive) Anspannung war in mir. Denn vor allem das Johanneshof-Bad war ein Unterfangen, bei dem keiner so genau wissen konnte, welche Überraschungen uns erwarten würden.

Und alles sollte sich von einer Minute auf die andere in nicht weniger aufreibenden Corona-Unsicherheiten auflösen?!

Sicher, es sprach Vieles dafür. Vor allem der gesundheitliche Sicherheitsaspekt. Unsere Priorität war und ist, uns, die Hausbewohner und die wenigen Langzeitgäste, die zu dieser Zeit hier lebten, bestmöglich zu schützen. Das Ein- und Ausgehen von Handwerkern hätte damit ein Risiko darstellen können.

Es spielte auch die Überlegung in die Entscheidung hinein, ob zu einem so unsicheren Zeitpunkt tatsächlich die Investition gewagt werden kann.

Mein Zazen am Montag morgen war somit alles andere als gedankenleer. In wenigen Minuten müsste ich die Handwerker, die mit dem Abbruch der beiden alten Bäder starten wollten, wieder nach Hause schicken müssen.

Den Sicherheitsaspekt konnte ich mit allem rhetorischen Geschick der Welt nicht wegdiskutieren. Aber das Geld war da. Und zwar für genau diesen Zweck gespendet. Und darüber hinaus war von einem Tag auf den anderen Tag der unglaubliche Zeitdruck raus. Wir hatten ursprünglich für die gesamte Bauaktion nur 18 Tage bis zum nächsten Seminarbeginn geplant. Das war ein sportliches – und wie sich im Nachhinein herausstellte – nicht realisierbares Ziel.

Dann kam erneut alles anders. Als ich vom Zendo in den Johanneshof kam, stand der Container bereits vor dem Haus und 3 starke Jungs standen startklar zum Abbruch bereit. In diesem Moment wusste ich, dass ich die getroffene Entscheidung unbedingt gerne revidieren würde. Ich hatte einen kurzen Austausch mit unserem Geschäftsführer Ulrich Halstenbach. Er trug meine Entscheidung mit und so ging es dann doch los. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass wenige Stunden später auch alle Roshis meiner Argumentation uneingeschränkt folgten und die Baumaßnahmen auch unter den veränderten Rahmenbedingungen vollumfänglich unterstützten und befürworteten.

Der Abbruch

An diesem Montagmorgen passierte in wenigen Minuten vielmehr, als ich hier schreiben könnte: vor allem langjährige Sangha-Mitglieder, die oft und regelmäßig hier im Zen Buddhistischen Zentrum Schwarzwald gewohnt haben, kennen sowohl den Charme der beiden Bäder im Vorderhaus in ihrem zarten „grün und gelb der 60er Jahre“, als auch deren desolaten Zustand. Es war also kein Zweifel daran, dass sie unbedingt erneuert werden mussten. Als dann aber die Wände nach und nach dem Presslufthammer wichen, wurde mir wehmütig. Ich hatte Bilder vor meinem inneren Auge, was um diese Bäder herum wohl so alles passiert sein mag in all den Jahren. Das sollte nun alles innerhalb weniger Minuten in Vergessenheit geraten?! Einem Impuls folgend, bat ich die Handwerker jeweils eine kleine Ecke der Fliesen zu erhalten. Ein kleines Stück Erinnerung sollte bleiben.

Der Neubau

Das Spannende an einer Altbausanierung ist, dass einfach nie klar ist, was kommt. Die Planungen war wunderbar. Keine Frage. Und die Handwerker verstanden allesamt ihr Handwerk. Und doch: um eine lange Geschichte um zahlreiche, unbekannte Rohre, schiefe Böden, unvorhergesehene Löcher hinter dünnen Wänden und unbekannten Leitungssystemen kurz zu machen: es gab nahezu jeden Tag mal kleine und mal größere Überraschungen.

Wir hätten auch nicht annähernd die Chance gehabt, den ursprünglichen Zeitplan einzuhalten. Anfang Mai haben wir – bis auf kleine noch fehlende Details – die Baustelle jedoch erfolgreich abgeschlossen.

Die Handwerker

Gerne stelle ich euch an dieser Stelle auch die Gewerke vor, die uns unterstützt haben. Allesamt sind es kleine Handwerksbetriebe aus dem sehr nahen Umfeld, denen wir teilweise schon über viele Jahre in guter Kooperation verbunden sind. Das war auch das wichtigste Kriterium, unter welchem wir ihnen in der ersten Phase der Pandemie trotzdem Zugang ins Haus gewähren konnten.

Denn ein wesentlicher Grund, das Haus Mitte März zu schließen war die Sicherheit der Hausbewohner UND unsere Verantwortung gegenüber dem Ort Herrischried und der näheren Umgebung. Durch anreisende Gäste sind wir für den Ort und für die Gegend ein Risikofaktor. Vor allem in eben genau dieser kritischen Corona-Zeit.

Begründend auf dem Fakt, dass wir ausschließlich Handwerker aus dem räumlich sehr nahen Umfeld bis hin zur direkter Nachbarschaft beauftragt hatten, konnten wir sowohl ausschließen, dass wir für anderen ein Risikofaktor sind, als auch vice versa wir guten Gewissens davon ausgehen konnten, dass wir durch die Handwerker keinem exorbitant hohen Risiko ausgesetzt sind. Alle arbeitenden Frauen und Männer, die hier ein- und ausgingen, waren – auch im eigenen Interesse – enorm achtsam.

Besondere Sicherheits- und Hygienemaßstandards haben wir dennoch zu jedem Zeitpunkt eingehalten.

Und hier nun ein großes Dankeschön an die folgenden Unternehmen in und um Herrschried, an die wir diesen Newsletter zeitgleich weiterleiten werden:

  • Sanitärinstallationen: Haustechnik Hans-Peter Krüger
  • Trockenbau: Peter Bellon
  • Holz- und Schreinerarbeiten: Jürgen Pittasch
  • Fliesenarbeiten: Matthias Vogt
  • Verputz- und Malerarbeiten: Farben Eckert
  • Elektro: Hanspeter Kohlbrenner

Und was sonst noch renoviert wurde

Das leere Haus, und vor allem der Langzeitbesuch unseres Sangha-Mitgliedes Michael Meyer haben hier einen regelrechten Renovierungsmotivationsschub bewirkt. So haben wir im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten (keine zusätzlichen Kosten, keine weiteren externen Handwerker) die Räume und vor allem die Böden um die Baustellen herum überarbeitet. Wochenlang wurden Holzböden im Hotzenhaus und im Johanneshof geschliffen, repariert und geölt und Unmengen von entsprechendem Staub geputzt. Mit einem glänzenden Ergebnis!

Das Budget

Ich hatte es eingangs erwähnt: die im Spendenbrief benannte Prognose hinsichtlich des Finanzbedarfs war eine erste Grobkalkulation. Im detaillierten Budget kam ich auf eine erforderliche Investitionssumme von knapp EUR 95.000 (brutto, da wir als gGmbH nicht Mwst.-abzugsfähig sind) für die nun insgesamt drei gebauten Duschbädern, einem Wannenbad, zwei Toiletten und zwei Zimmer. Die gute Nachricht: wir konnten € 4.000 unter den geplanten Kosten bleiben. Die Herausforderung: im Moment fehlen uns noch € 13.000. Weitere Spenden sind uns herzlich willkommen und helfen in diesem wichtigen Projekt sehr.

Der Ausblick auf weitere Bäder

Dem Spendenbrief konntet ihr entnehmen, dass die Idee ist, die bedürftigen Bäder zu renovieren bzw. zusätzliche Bäder zu bauen. Für zwei Bäder sind im Rahmen der bisherigen Bauarbeiten vorbereitende Maßnahmen getroffen worden. Als nächstes würden wir sehr gerne ein Gästezimmer im Hotzenhaus auf der 2. Etage mit einem kleinen Duschbad ergänzen (Rohre liegen bereits) und gleichzeitig das daran angrenzende Zimmer von Baker Roshi mit einer Toilette erweitern.

Nahezu parallel könnte eine Etage höher das Zimmer von Keizan Dieter Sensei um ein Duschbad ergänzt werden.

Corona hat diese Planung allerdings noch einmal verändert. Wir arbeiten derzeit an einem Konzept, wie wir mit und nach Corona Praktizierende und Gäste empfangen können.

Zum Schluss

Ein langer Bericht! Ich hoffe, du fühlst dich nun gut und umfassend über den aktuellen Stand in Sachen Bäderprojekt informiert. Wenn du über den Bericht hinaus Fragen hast, kannst du mir jederzeit gerne schreiben johanneshof@dharma-sangha.de oder einfach auch gerne zum Telefon greifen und anrufen (+49 (0) 7764 226).

Nun bleibt, dich auf deinen hoffentlich bald möglichen nächsten (oder vielleicht auch ersten?) Besuch im ZBZS zu freuen und deinen Aufenthalt mit ein klein wenig mehr Komfort zu genießen.

Herzliche Grüße!
Deine Yõsei Silvia

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