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Dharma-Lehre für eine Welt im Wandel

von
Nicole Baden

Zen-Praxis und die Herausforderungen unserer Zeit
In der Zen-Praxis wird die Lehre von Angesicht-zu-Angesicht, das Miteinander-Dasein, ganz besonders betont. Unser Medium ist der Körper. Körperliches, spürendes Gewahrsein. Sich von einem Feld körperlicher Präsenz berühren und durchdringen zu lassen. Wir glauben (und hören häufig), dass es das ist, was Menschen am Johanneshof-Quellenweg schätzen. Warum viele immer wieder kommen. Dass die wahrhaft nährenden Prozesse auf dieser Ebene stattfinden, der Ebene körperlicher Empfindungen.

Diejenigen Leser/innen, die den Johanneshof-Quellenweg bereits besucht haben, erinnern sich vielleicht an den allgegenwärtigen Geruch des Räucherwerks, der sie wahrscheinlich gleich im Eingangsbereich begrüßte. Das Klopfen des Han, früh am morgen, das uns manchmal noch im Halbschlaf erreicht. Blicke in den Garten. Das Gefühl der Verbundenheit, das entstehen kann, wenn wir uns zusammen verneigen. Sich stillschweigend anzuerkennen und manchmal zu erkennen. Manchmal spüren wir etwas in Vorträgen, was nicht in den Worten liegt. Wir verstehen es noch kaum. Aber wir lassen zu, dass es sich in uns öffnet, jenseits unseres Verstandes. Wir vertrauen.

Du hast wahrscheinlich deine eigenen Erinnerungen an Momente im Johanneshof-Quellenweg. Begegnungen. Flüchtige Eindrücke mit fast geheimnisvollem Gewicht. Mir geht es jedenfalls so. Ich lebe deswegen im "Kloster".

Wenn wir nun Dharma-Lehre auch online anbieten, was bedeutet das dann? Verlagern wir unseren Schwerpunkt? Für viele Sangha-Mitglieder waren die bisherigen Sonntagsvorträge von Roshi eine tolle Erfahrung, aber dennoch können wir uns fragen, wohin das führen soll. Positive Erfahrungen führen schließlich nicht automatisch in eine gute Richtung.

Ich möchte meine und unsere Perspektive auf diesen Schritt teilen:

Das Medium, in dem sich die Zen-Praxis entfaltet, ist nicht nur die körperliche Präsenz. Es ist auch Zeit. Ich nenne es mal "Aufmerksamkeits-gefüllte-Zeit". Die Zeit, die man insofern miteinander verbringt, als dass man seine Aufmerksamkeit mit denselben Punkten verbindet. Auch so kann ein Miteinander entstehen. Eine andere Gattung von Miteinander, but still...

Unser erster Impuls, als klar wurde, dass wir den Gästebetrieb aufgrund der Corona-Krise einstellen müssen, war, nach Wegen zu suchen, um mit der Sangha, mit dir, weiterhin in Kontakt zu sein. Was können wir tun, um auch in dieser Zeit ein Feld gemeinsamer Praxis anzubieten? Mit dieser Frage ging es los.

Ein zweiter Punkt wurde, dass wir zunehmend den Wunsch spürten, unsere Stimme in diesen ungewöhnlichen Zeiten anbieten zu wollen. Wir betrachten viele Entwicklungen dieser Zeit mit Sorge. Die Klimakrise, populistische Wellen und nun die Unsicherheit, die aufgrund der Corona-Pandemie entsteht. Seit je her hat die Zen-Praxis etwas Relevantes zur Entwicklung von Mitgefühl, Geduld und Weisheit beizutragen, doch erst seit Kurzem haben wir den Entschluss gefasst, die Dharma Sangha Lehre und Praxis auch über den physischen Ort "Johanneshof-Quellenweg" hinaus zugänglich zu machen.

Von den konkreten Inhalten unseres Online-Angebots abgesehen, ist eine Botschaft, die all unsere Aktivität begleitet, ganz einfach: "Wir sind hier".

Die Verbundenheit, die im körperlichen Beisammensein entsteht, ist im Moment nur eingeschränkt möglich. Aber die Verbundenheit, die entsteht, wenn wir unseren Blick auf gemeinsame Anliegen richten, auf unsere tieferen Intentionen, Wünsche, Hoffnungen für uns selbst und das Feld aller fühlenden Wesen, diese Verbundenheit können wir kultivieren. Das ist es, was wir versuchen zu tun.

Ganz praktisch ist es nebenher so, dass der Schritt in das Medium globaler Vernetzung das Zen Buddhistische Zentrum Schwarzwald zurzeit finanziell unterstützt. Wir leben davon, dass Menschen sich mit den tieferen Anliegen der Zen-Praxis verbinden und sich einbringen, auf unterschiedlichste Weisen. Wir wissen natürlich, dass ein Online-Programm unsere Reichweite massiv erhöht. Damit ist es bereits jetzt eine Ressource.

Wir sind dankbar über die bisherige große und, ich glaube, durgehend freudvolle Beteiligung an unseren Online-Veranstaltungen. Das ist ermutigend! Und wir möchten dabei die Gelegenheit nutzen, um zu betonen, wie sehr neue Online-Aktivität in der Sangha-Praxis im Johanneshof-Quellenweg verankert ist. Ich bin sicher, es wird uns gemeinsam gelingen, die Entwicklung unserer Online-Präsenz auch zu nutzen, um die klösterliche Komponente unserer Praxis zu fördern. Wir werden unsere Wurzeln nicht vergessen, sondern stattdessen Wege finden, sie zu nähren.

Wir freuen uns, dir unsere neue Online-Programmseite jetzt vorzustellen. Auf dieser Seite findest du viele Infos zum derzeitigen Online-Angebot, welches weiter wachsen wird. Du kannst die Kurse direkt online buchen und wirst dann eine Kursseite vorfinden, die wie eine Art Seminarraum in digitaler Umgebung konzipiert ist. Viel Freude damit! Klicke hier.

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